Digitalisierung ist doch nur etwas für die Großen, oder?

By Karin Cvrtila

November 30, 2017


Oft hört man zum Thema Digitalisierung von kleineren Unternehmen „ ja, aber wir sind ja nicht Facebook oder Google und Roboter kann ich mir bei uns auch nicht vorstellen“. Na eh nicht, möchte man sagen.

Diese Einstellung überrascht wenig, wenn man überall die Geschichten von entweder den großen IT und datengetriebenen Konzernen wie Facebook, Amazon und Co. hört. Oder auch den vielleicht etwas „kleineren“ Konzernen die Rede ist, die sich soeben nebenbei ein Start-up gekauft haben, um die digitale Transformation im eigenen Unternehmen zu beschleunigen.

Einzelunternehmer, Freiberufler, Klein- und Mittelbetriebe scheinen auf den ersten Blick aufgrund der geringeren finanziellen und personellen Kraft im Nachteil. Dies aber nur, wenn man Digitalisierung als Weltherrschaft über Daten oder Brave New World versteht.

Digitalisierung verstehen – warum Digitalisierung nicht nur für die Großen ein Thema ist

Aber ist es nicht eher so, dass Digitalisierung zu effizienteren, oft kostengünstigeren Abläufen führt? Oft zu neuen Produkten und Services und letztlich dadurch zu mehr Kunden? Und wollen diese Ziele nicht auch die „Kleinen“ erreichen?

Ja natürlich! Und deswegen ist Digitalisierung eben nicht nur etwas für die Großen, sondern ein Thema für jedes Unternehmen in dem zunehmend schnelleren und komplexeren Umfeld. Die Veränderungen sind momentan hoch. Aber wie bei jeder Veränderung gilt: ist es nicht besser diese selbst in die Hand zu nehmen als von außen getrieben, wenn nicht gar dazu gezwungen, zu werden?

Jedes Unternehmen ist seit jeher getrieben sich auf wechselnde Rahmenbedingungen von Seiten der Kunden, des Staates, der Mitbewerber, der Lieferanten und all den anderen Stakeholdern einzustellen. Im besten Fall soll man Veränderungen und deren Auswirkungen gar voraussehen. So weit, so gut, aber nichts Neues. Neu ist lediglich, dass die Geschwindigkeit durch die Digitalisierung und durch neue Technologien merklich zugenommen hat.

Die Beschleunigung dieser „neuen“ Komplexität in den Griff zu bekommen gelingt, sobald man sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzt. Wenn Sie auf diesem Blog gelandet sind, dann ist der erste Schritt schon getan ?

Und nein, den Einwand „aber das betrifft mich wirklich nicht“ lasse ich jetzt einfach nicht gelten.

Beispiele wie die Digitalisierung ganze Branchen verändert

Hier ein paar Beispiele, warum nicht nur die Großen von der Digitalisierung betroffen sind:

  • Online-Umsätze, und ja auch Amazon, verändern seit Jahren den stationären Handel. Diese Umwälzungen und neuen Vertriebswege betreffen von der kleinen Buchhandlung bis zum Supermarkt alle Händler.
  • Manche Produkte werden obsolet bzw. durch ihre digitale Variante verdrängt. Z.B. die Taschenlampe, die jeder in seinem Smartphone mittlerweile eingebaut hat oder die ehemals riesigen Straßenkarten, die man nun ebenfalls optisch in Miniaturform in jedem Smartphone oder Navi findet. Wie sieht es mit Ihrem Produkt aus?
  • „Ha, aber ich bin Dienstleister“ werden Sie jetzt eventuell erfreut ausrufen: und wie sieht es da mit Ihren Prozessen aus? „Der Preisdruck ist das Problem“ werden Sie vermutlich sagen. Verstehe ich, aber dem Preisdruck kann man entgegenwirken, indem man die eigenen Prozesse digitalisiert und so auch kostengünstiger anbieten kann. Gibt es darüber hinaus nicht mittlerweile auch Services, Programme oder Apps, die eigentlich Ihre Dienstleistung anbieten und so zum Konkurrent werden?
  • Unabhängig davon ob Sie Händler, Produzent oder Dienstleister sind: Konkurrieren Sie nicht mittlerweile nicht nur mit den Mitbewerbern aus Ihrer Region, sondern plötzlich mit Mitbewerbern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum oder gar mit weltweit agierenden Unternehmen?
  • Ganze Berufszweige verändern sich: zunehmend werden Verträge und andere rechtliche Dokumente durch Algorithmen automatisiert erstellt, dadurch entfällt zunehmend ein Teil der Arbeit der Anwälte. Als Klient gibt man nur mehr seine Daten ein und bekommt auf Knopfdruck um wenig Geld Immobilienverträge, Datenschutzerklärungen, Testamente und vieles mehr geliefert.
  • Diagnostische Aufgaben der Ärzte werden zunehmend vom Computer durchgeführt. Wie das funktionieren soll? Die Vielzahl an vorliegenden Daten und die Vernetzung macht es möglich. Hinzu kommt die sogenannte künstliche Intelligenz: Computer, die lernfähig sind und große Datenmengen/Wissen auf Knopfdruck verarbeiten können. Teils können durch Bilder Krankheiten diagnostizieren werden.
  • Kämpfen Hotels nicht gerade mit Umsatzeinbußen aufgrund neuer Mitbewerber wie Airbnb, die nicht mal über eigene Zimmer verfügen? Wo plötzlich jeder zum Vermieter werden kann?
  • Aber Essen und Trinken werden die Leute immer – ein Killerargument ? Jedoch liegt auch hier einiges im Umbruch. Restaurants leben nicht mehr nur vom Laufgeschäft, von Gästen die zufällig am Laden vorbeilaufen und gerade Hunger oder Durst haben. Der Gast von heute bestellt Essen nach Hause zunehmend über Plattformen. Teils sogar von Anbietern, die nicht mal über ein eigenes Restaurant verfügen. Es geht sogar so weit, dass Plattformen private Dinner vermitteln, wo jeder zu Hause zum Gastwirt werden kann.
  • Verlage/Medien können schon lange ein Lied darüber singen, wie es ist, wenn das eigene Geschäftsmodell plötzlich kippt. Und ja noch schlimmer, durch teils kostenlose Inhalte im Netz substituiert wird.
  • Für das klassische Handwerk gibt es bereits Plattformen, die Aufträge vermitteln. Häufig jedoch nicht nur an den herkömmlichen Handwerksbetrieb, sondern auch den „Nachbarn von nebenan“. Darüber hinaus gilt es gerade für Handwerksbetriebe Ihre Abläufe durch die Digitalisierung zu optimieren, um Aufträge effizient und möglichst kostengünstig abzuwickeln. Möchten Sie diesen Vorsprung Ihrem Mitbewerber überlassen?
  • Vielleicht trifft es am schlimmsten die Automobil/Verkehrsbranche. Sollte es in naher Zukunft selbstfahrende Autos geben: kauft sich dann jemand noch privat ein Auto? Wird es dann nicht auch selbstfahrende LKW’s geben? Taxifahrer haben schon die Konkurrenz durch Uber erfahren, wo ähnlich wie bei Airbnb jeder zum Taxifahrer werden kann, der über ein eigenes Auto verfügt.
  • Schlussendlich verändert sich auch das Konsumentenverhalten: wollte bzw. musste man früher alles selbst besitzen, um es nutzen zu können, stellt sich heute zunehmend die Frage, ob nicht mieten die bessere Variante wäre. Die Sharing Economy läßt grüßen. Das kann das Auto sein, das man nur kurz mietet und nicht mehr selbst besitzt, das können auch Werkzeuge sein, die man sich über bestimmte Plattformen ausleiht und nicht mehr selbst kauft. Wie sieht es mit Ihrem Angebot aus?

Fazit

Sind Sie noch immer der Meinung, dass die Digitalisierung Sie nicht betrifft? In der ein oder anderen Weise ist jede Branche betroffen und in dem einen oder anderen Beispiel werden Sie Ihr Unternehmen vermutlich wiederfinden.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: in all diesen Beispielen stecken auch Chancen! Und diese gilt es zu nutzen! In Schockstarre zu verfallen und dieses „neumodische Teufelszeug“ zu verdammen oder einfach zu negieren wird nicht ausreichen. Das Internet und die neuen Technologien sind gekommen, um zu bleiben.

Digitalisierung betrifft jedes Unternehmen, unabhängig von dessen Größe. Und jedes Unternehmen sollte sich mit den Fragen, Chancen, aber auch Ängsten rund um die Digitalisierung auseinandersetzen, um die eigene Zukunft besser einschätzen und aktiv lenken zu können!

Herzlichst, Ihre
Karin Cvrtila

PS Uff, Überzeugungsarbeit ist anstrengend – ich hoffe es hat gefruchtet und ich konnte die letzten Skeptiker umstimmen. Und ja, Sie schätzen mich vollkommen richtig als unverbesserliche Optimistin ein. ?

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