Profitieren Frauen von der Digitalisierung?

By Karin Cvrtila

März 8, 2018


Heute ist internationaler Frauentag! In meiner Kindheit habe ich gelernt, dass an diesem Tag die Frauen gefeiert werden. Und zwar unabhängig davon, ob Sie Mütter sind oder nicht. Meine Familie stammt aus Kroatien und da war es üblich, dass jede Frau am 8. März Blumen bekommt – die Männer haben übrigens einfach mitgefeiert. Für mich also ein Tag an dem wir über Frauen reden sollten.

Dies bedeutet, aus meiner Perspektive gesprochen, sich diverse Studien zum Thema Digitalisierung und Frauen näher anzuschauen. Ich finde ein spannendes Thema, auch wenn mich meine Recherche nicht wirklich weiter gebracht hat: Wie so oft kann nämlich die Frage, ob von der Digitalisierung Frauen profitieren, nicht mit einem eindeutigen Ja oder Nein beantwortet werden. Unbefriedigend, oder?

Ok, gehen wir ein wenig ins Detail und schauen welche Argumente auf der jeweiligen Seite vorgebracht werden :

Pros: Frauen profitieren von der Digitalisierung

Die Meinung, dass Frauen von der Digitalisierung profitieren, wird mit dem Hinweis auf die dadurch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie untermauert. Durch die Digitalisierung kann ja von überall aus gearbeitet werden. Man muss jedoch einwenden, dass Arbeit dennoch Arbeit bleibt. Frauen, die sich mehr um die Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen kümmern müssen, können sich durch die Digitalisierung ihre Arbeit flexibler einteilen. Dennoch können Sie wohl kaum während der aktiven Kinderbetreuung oder der Pflege gleichzeitig bezahlte Arbeit verrichten. Und warum wir nur bei Frauen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, ist ein anderes Kapitel.

Ein anderes Argument: durch die Digitalisierung sind Frauen in Teilzeit-Jobs von höheren Positionen nicht mehr ausgeschlossen. Eine Studie von Accenture will wissen, dass die Karrierechancen durch die Digitalisierung steigen, weil Frauen digitale Technologien effektiver nutzen. Letzteres, lt. Studie, weil sie oft ein höheres Bildungsniveau haben als Männer, auch ein Grund um bessere Chancen auf eine höhere Position zu haben.

Vielleicht aber nutzen Frauen digitale Technologien effektiver, weil Sie mehr unter einen Hut bringen und deswegen besser organisiert sein müssen? Meine These dazu …

Es stimmt, Frauen sind häufiger in Teilzeit beschäftigt, in Österreich und Deutschland sind dies fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen (Österreich rund 48 Prozent, Deutschland rund 47 Prozent). Der EU-Schnitt liegt hier übrigens bei rund 33 Prozent. Im Vergleich dazu arbeiten rund 11-12 Prozent der erwerbstätigen Männer in Österreich und Deutschland in Teilzeit. Und genau diese Teilzeitfalle führt dazu, dass Frauen häufig mit dem Argument der Teilzeit von höheren Positionen ausgeschlossen sind, trotz höherer Bildung.

Contras: Frauen profitieren nicht von der Digitalisierung

Frauen sind eher in niedriger qualifizierten Jobs beschäftigt, weiß die Statistik. Und niedrig qualifizierte Jobs mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten fallen eher der Automatisierung zum Opfer. In dem Fall erwischt die Digitalisierung Frauen härter.

Ebenso gibt es weniger Frauen in den oft gut bezahlten Führungspositionen in IT Jobs. Jedoch, muss man einwenden, weil es insgesamt weniger Frauen in der IT-Branche gibt bzw. diese noch immer als Ausnahme zu sehen sind: europaweit sind nur 22 Prozent der Beschäftigten in der IT Branche Frauen. Von den Start-ups in Österreich wurden nur 8 Prozent von Frauen gegründet. Ein Start-up ist übrigens immer technologiegetrieben – es ist also nicht jedes neu gegründete Unternehmen gleich ein Start-up!

Hinzu kommt, dass Frauen häufig in Branchen tätig sind, die besonders von der Digitalisierung betroffen sind: im Handel, Bankensektor, in Call Centern oder der Personalverrechnung, sagt das WIFO. Dies führt uns wieder zu den zuvor zitierten Routinetätigkeiten, die in diesen Jobs recht hoch sind und daher automatisiert werden können. Hinzu kommt das veränderte Konsumentenverhalten: der Handel verlagert sich zunehmend in das Internet, die Kundenkommunikation findet immer häufiger digital statt und nicht mehr telefonisch.

Fazit

Welches Fazit ich daraus ziehe? Nun ja, wie einige wissen, ist es mir ja – aus meiner langjährigen Tätigkeit in der Meinungsforschung – nicht fremd Studien zu interpretieren. Kennt man einige Untersuchungen zu diesem Thema, so drängt sich der Verdacht auf, dass hier Zusammenhänge geschaffen werden, die nicht nur mit der Digitalisierung zu tun haben, sondern mit der allgemeinen Debatte rund um den Gender-Gap am Arbeitsmarkt.

In Diskussionen rund um die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern werden immer die hohe Quote an Teilzeitbeschäftigten bei Frauen genannt, dass es noch immer Frauen sind, die den Großteil der unbezahlten Arbeit innerhalb der Familie ausführen, dass Frauen in Branchen beschäftigt sind, die eben schlechter bezahlt sind und dass Frauen seltener in Führungsetagen zu finden sind. Die Digitalisierung mag diese Effekte verstärken, dennoch muss man an den genannten Gründen arbeiten, um den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszugleichen. Dies gilt für die Einkommensungleichheit, wie auch für die Auswirkungen der Digitalisierung.

Hinzu kommt, dass von der Digitalisierung beide Geschlechter betroffen sind. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im negativen Sinn hat die Digitalisierung vor allem im Bereich von niedrig qualifizierten Jobs und der damit einhergehenden Automatisierung. In Zukunft werden jedoch auch mehr Jobs geschaffen, allerdings im höher qualifizierten Bereich. Frauen haben in der Ausbildung zwar die Nase vorne, aber in der Weiterbildung hinken Sie Männern hinter her bzw. wird Weiterbildung von Männern häufig in der Arbeitszeit in Anspruch genommen und bei Frauen in der Freizeit, sagen Studien. Letzteres hängt auch mit dem hohen Anteil an Teilzeitbeschäftigten bei Frauen ab.

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt wird die Politik noch beschäftigen müssen, aber auch diesen Blog. Fortsetzung folgt daher 😉

Eine Lösung vorweg: Weiterbildung hilft, und zwar beiden Geschlechtern!

Herzlichst, Ihre

Karin Cvrtila

PS Ein nachdenklicher Frauentag … ich selbst rufe nun meine Mutter und Großmutter zum Frauentag an, weniger weil ich so trations-, jedoch sehr familienverbunden bin 🙂 Und zu guter letzt will ich es mir einfach mit den beiden starken Frauen in meiner Familie nicht verscherzen 😉 Happy Frauentag!

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