Schritt 3: Analyse meiner Geschäftsidee – taugt die etwas?

By Karin Cvrtila

September 13, 2018


Es geht weiter mit der Serie „wie finde ich eine Geschäftsidee„: Sie haben bereits jede Menge an Ideen gesammelt und haben daraus ein paar in die engere Auswahl genommen? Wunderbar.

Dann geht es heute mit Schritt drei weiter: wir machen eine Recherche zu den übrig gebliebenen 3-4 Geschäftsideen.

Ich weiß, vor allem der dritte Schritt wird gerne übersprungen. Aber: eine ausführliche Analyse ist das um und auf, um ein tragbares und rentables Online-Business, oder Unternehmen jeder Art, auf die Beine zu stellen.

Sie können sich viel Ärger, Zeit und Geld ersparen, wenn Sie zu Beginn eine Analyse durchführen und bereits früh merken, ob Ihre Idee Chancen hat oder eben auch nicht.

Was muss ich für meine Geschäftsidee recherchieren?

Dazu gehört eine Marktanalyse, eine Wettbewerbsanalyse, eine erste Zielgruppenbeschreibung und -analyse. Sie wollen genau wissen, wie Ihr Markt sich zusammensetzt und wie dieser tickt, Ihre Chancen und Risiken abwägen.

Sie werden im Anschluß, wenn Sie sich tatsächlich für eine Geschäftsidee entschieden haben, die Analyse noch vertiefen. Für den ersten Schritt reichen folgende Analyseschritte und vor allem die jeweils unten aufgeführten Fragen, die Sie möglichst ausführlich beantworten sollten:

1. Zielgruppe:

Der erste und fast wichtigste Punkt ist die Definition und Festlegung Ihrer Zielgruppe. D.h. wer sind Ihre künftigen Kunden?

Hier möchte ich Sie bitten, möglichst genau vorzugehen, weil die Zielgruppe einen außerordentlichen hohen Einfluß auf alle restlichen Schritte Ihres Unternehmens hat.

Also: stellen Sie sich die Frage, wer Ihre potentiellen Kunden sein könnten. Und nein, es sind nicht „Alle“ 🙂 Es ist ein Teil von „Allen“. Das ist sogar gut so, weil je genauer Sie Ihre Zielgruppe definieren, umso genauer können Sie diese dann auch in Ihren Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen ansprechen.

Viele Gründer haben Angst Ihre Zielgruppe eng zu fassen, weil Sie fürchten dadurch potentielle Kunden zu verlieren. Aber die gute Nachricht ist: genau das Gegenteil ist der Fall, auch wenn es zu Beginn eventuell schwer vorstellbar ist – das kann ich gut nachvollziehen.

Welche Fragen stellen Sie sich hierbei?

Zu Beginn muss die Frage geklärt werden: kaufen Ihre künftigen Kunden Ihre Produkte oder Dienstleistungen privat oder geschäftlich?

Wenn Sie Privatkunden ansprechen möchten, dann helfen weitere Fragen, um die Zielgruppe einzugrenzen:

  • Sind Ihre Kunden Frauen oder Männer?
  • Sind Ihre Kunden jünger oder älter?
  • Wo, in welcher Region leben Ihre Kunden?
  • Welche Hobbies und Interessen haben sie?
  • Welchen Beruf üben sie aus?
  • Welche Medien konsumieren sie?
  • Sind Sie in den Social Media aktiv?
  • Kaufen sie online?
  • Wie informieren sie sich über neue Produkte und Angebote?
  • etc, etc, etc

Wenn Sie Geschäftskunden, also im b2b-Bereich, tätig sein wollen, dann sind teilweise andere Fragen zu stellen:

  • Wie groß sind die Unternehmen, die Sie ansprechen möchten? Kleine oder große Unternehmen?
  • Wo sind die Unternehmen ansässig?
  • In welchen Branchen sind sie tätig?
  • Wie sind die Entscheidungswege im Unternehmen? Wer entscheidet im Unternehmen, ob Ihr Produkt/Dienstleistung gekauft wird oder nicht? Gibt es gar mehrere Entscheidungsträger?
  • Welche Medien konsumieren diese Entscheidungsträger?
  • Wie informieren Sie sich über neue Produkte und Angebote?
  • etc., etc., etc

Je genauer Sie die Zielgruppe beschreiben, um so leichter werden Ihnen die folgenden Analyseschritte fallen.

2. Marktanalyse:

Nachdem Sie nun Ihre Zielgruppe kennen, stellt sich die Frage: wie viele potentielle Kunden gibt es eigentlich?

Also: wie groß ist der gesamte Markt für Ihre Angebote? Sie recherchieren wie viele Kunden in die von Ihnen definierte Zielgruppe in der festgelegten Region fallen. Das ist Ihr Gesamtmarkt.

Aber Achtung, ich muss hier eine kleine Warnung aussprechen, oft sehe ich nämlich, dass voller Euphorie der Gesamtmarkt hergenommen wird und Gründer voller Hoffnung denken, dass sie alle erreichen können.

Nun ja, das ist leider nicht der Fall. Es werden nicht alle potentiellen Kunden bei Ihnen kaufen! Einerseits, weil es vermutlich Mitbewerber gibt, die wohl auch einen Teil des Kuchens abschöpfen werden.  Andererseits, weil eben nie alle potentiellen Interessenten zu tatsächlichen Käufern werden und weil Ihre potentiellen Kunden von Ihnen und Ihren Angeboten erst erfahren müssen.

Ausgehend vom Gesamtmarkt können Sie jedoch abschätzen wie viele davon tatsächlich Ihre künftigen Kunden werden könnten. Ich rate hier von niedrigen Prozentzahlen auszugehen, je nach Produkt und Angebot. Abschätzungen a la „50% des Gesamtmarkts werden meine Kunden“ wären zwar wünschenswert, aber absolut unrealistisch.

3. Wettbewerbsanalyse:

Der liebe Mitbewerb: in Ihrem Markt wird es vermutlich bereits Mitbewerber geben, also Unternehmer, die genau Ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Sie sollten recherchieren wer Ihr Mitbewerb ist, wie groß dieser ist, was dieser genau anbietet etc. Also alle Fragen, die Sie bereits für sich beantwortet haben. Die Recherche ist hier relativ einfach, da heute fast jedes Unternehmen über eine Webseite verfügt und es darüber hinaus einige Tools gibt, die Online-Aktivitäten der Unternehmen analysieren.

Und folgender Hinweis: Sie orientieren sich bitte immer an den stärksten Mitbewerben, nicht an den schwächsten. D.h. Sie recherchieren die 5 stärksten Mitbewerber Ihrer Branche.

Hier gilt es jedoch, ausgehend von Ihrer Zielgruppendefinition, auch den Mitbewerb genau zu definieren. Wenn Sie z.B. im DACH-Raum online Hundetrainings anbieten wollen, dann sind Ihre Mitbewerber Hundetrainer aus dem DACH-Raum, die online ebenfalls Hundetrainings anbieten. Diese sehen Sie sich genauer an.

Und noch ein kleiner Hinweis: der Mitbewerb ist nicht immer gleich böse! Oft können Unternehmer, die auf den ersten Blick Mitbewerber sind, zu wertvollen Kooperationspartnern werden. Also seien Sie offen und vor allem hüten Sie sich davor über Ihren Mitbewerb herzuziehen. Sie machen sich keinen Gefallen damit, diese Zeiten sind – und das ist gut so – vorbei.

4. Geschäftsmodell:

Die entscheidende Frage ist im Grunde: wie wollen Sie Ihre Produkte/Dienstleistungen herstellen und über welche Kanäle wollen Sie diese verkaufen?

Also:

  • Was genau möchten Sie herstellen? Welche Produkte und welche Dienstleistungen?
  • Was ist der Nutzen für Ihre Kunden? Wodurch lösen Sie ein Problem Ihrer Kunden?
  • Können Sie die Produkte/Dienstleistungen selbst herstellen oder benötigen Sie Kooperationspartner?
  • Woher beziehen Sie Ihre Produkte?
  • Haben Sie selbst die Kompetenz und Fähigkeiten, um die geplanten Produkte oder Dienstleistungen herzustellen?
  • Werden Sie offline oder online tätig sein? Oder streben Sie ein Mischung an?
  • Werden Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen selbst verkaufen oder durch andere verkaufen lassen?
  • etc. etc. etc

5. Positionierung:

Sie kennen nun Ihren Markt und Ihre Mitbewerber. Nun stellt sich die Frage: Was unterscheidet Sie von Ihrem Mitbewerb? Was machen Sie besser, was machen Sie anders? Sprechen Sie eine andere Zielgruppe an?

Sie sollten Ihr Alleinstellungsmerkmal klar herausarbeiten. Damit wird die künftige Kommunikation ebenfalls leichter gelingen.

Viele denken, Sie hätten kein Alleinstellungsmerkmal, aber hier kann ich Sie beruhigen: jeder von uns hat eines. Das Problem dabei ist häufig, dass wir selbst unseren entscheidenden Unterschied nicht erkennen, weil wir diesen als selbstverständlich ansehen.

Häufig liegt das Alleinstellungsmerkmal auch in unserer Vergangenheit, in Fähigkeiten die wir haben, aus Erfahrungen, die wir gemacht haben. Denken Sie mal darüber nach.

6. Marketing:

Ich weiß, wir reden noch immer von der Auswahl einer Geschäftsidee und Sie werden sich vielleicht denken „na, aber das Marketing kommt dann irgendwann später“. Leider nein!

Sie müssen noch keinen genauen Marketingplan in dieser Phase erarbeiten, dieser kommt später. Aber Sie sollten sich definitiv bereits jetzt darüber Gedanken machen, wie Sie Ihre Kunden erreichen wollen.

In erster Linie müssen Sie „sichtbar“ werden. Ihre künftigen Kunden müssen erfahren, dass es Sie gibt und was Sie anbieten. Wie wollen Sie dies bewerkstelligen?

Und wie wollen Sie in weiterer Folge Ihre Interessenten in Kunden verwandeln? Welche Maßnahmen werden Sie setzen? Wie können Sie Ihre Zielgruppe finden und vor allem wo werden Sie Ihre Zielgruppe finden? Offline oder online? Über welche Medien, über welche Kanäle? Wo ist Ihre Zielgruppe bereits anwesend?

Spätestens bei diesem Punkt sollte nun klar sein, warum ich bei der Zielgruppe darauf gepocht habe möglichst genau und ausführlich vorzugehen!

7. Rechtliches:

Im Stadium der Geschäftsideenfindung ist es noch nicht notwendig, dass Sie sich Gedanken über Ihre Rechtsform, Datenschutzerklärung und alle die anderen notwendigen rechtlichen Dinge machen.

Aber: Sie sollten bereits jetzt prüfen, ob Sie aus rechtlicher Sicht Ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten dürfen. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass Sie vorhaben eine Drogenplantage oder ähnliches anzubauen, aber dennoch können nicht alle Produkte und Dienstleistungen von jedermann/-frau angeboten werden.

So ist beispielsweise Vorsicht bei vielen Dienstleistungen aus dem Gesundheitsbereich geboten. Ich selbst musste die Voraussetzung erfüllen (ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium und langjährige Erfahrung in der Unternehmensführung), um den Gewerbeschein in Österreich für Unternehmensberatung zu erhalten.

Und so gibt es in vielen Bereichen Vorschriften und vor allem Voraussetzungen, die vor Start zu erfüllen sind. Erkundigen Sie sich, diese Recherche dauert nicht lange, macht aber schnell deutlich, ob Ihre Geschäftsidee überhaupt umsetzbar ist.

Wenn Sie sich für Ihre Geschäftsidee schlußendlich entschieden haben, dann appeliere ich an Sie, bei den rechtlich Kosten nicht zu sparen und sich rechtlich beraten zu lassen! Andernfalls kann es nämlich teuer werden und das ist ein unnötiges  und vermeidbares Risiko das Sie eingehen würden.

8. Finanzierung:

Das liebe Geld: prüfen Sie zu Beginn wieviel Sie investieren müssen, um Ihre Geschäftsidee zu realisieren und vor allem zum Laufen zu bringen.

Und ja, das gilt auch, wenn Sie jetzt sagen „aber ich will eh alles online machen“. Auch dann werden Sie investieren müssen, zwar weniger, als wenn Sie ein offline Geschäft betreiben möchten, aber dennoch werden Kosten in Form von Software, Hosting, Tools, Computern und Zubehör auf Sie zukommen. Diese Kosten sind überschaubar, können aber in Summe auch einen nicht unerheblichen Betrag ausmachen.

Beim Start eines Online-Business werden oftmals noch drei weitere Brocken übersehen:

  1. Sie werden Steuern und Sozialversicherung zahlen müssen! Das ist im Grunde nicht schlimm, weil dies bedeutet, dass Sie Umsätze mit Ihrer Geschäftsidee erzielen.
  2. Sie werden in Beratung, Weiterbildung und andere Dienstleister investieren! Weiterbildung ist das Um und Auf und Sie werden auf Ihrem Gebiet, aber auch in Fragen rund um Ihr Online-Business auf Weiterbildung und Beratung setzen. Ein paar Beispiele? Wie bereits beim Punkt „rechtliches“ erwähnt, werden sie vermutlich Rechtsberatung in Anspruch nehmen, sie sollten aus meiner Sicht auch keinesfalls auf einen Steuerberater verzichten, es werden auch andere Kosten auf Sie zukommen, etwa wenn Sie Ihre Webseite nicht selbst erstellen können, sondern erstellen lassen etc.
  3. Letztlich wird häufig vergessen, dass Sie meist nicht vom ersten Tag an verdienen werden und Ihnen die Kunden nicht gleich die Tür einrennen werden. Sondern, dass Sie in der ersten Zeit, während Sie Ihr künftiges Online-Business aufbauen, auch selbst von etwas leben und Ihre Lebenskosten bestreiten müssen. Und zwar so lange bis Ihr Online-Business so viel abwirft, dass alle anderen Kosten gedeckt sind und für Sie ausreichend zum Leben übrig bleibt.

Aus dem Gesagten folgt, dass Sie auch in einem Online-Business am besten mit ein paar Geldreserven starten. Wenn Sie diese nicht haben, dann können Sie auch nebenberuflich mit einem Online-Business beginnen. Rechnen Sie aber damit, dass es dann langsamer gehen wird, da Sie sich nicht Vollzeit auf Ihr Online-Business stürzen können. Dennoch ein überlegenswerte Möglichkeit und es gibt genug Beispiele in der Online-Welt, die genau so gestartet sind. Es heißt doch immer so schön: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

9. SWOT-Analyse:

Am Ende Ihrer ersten Analyse steht eine sogenannte SWOT-Analyse, d.h. eine Aufstellung der Stärken und Schwächen Ihrer Geschäftsidee. Diese Stärken und Schwächen kommen meist aufgrund aller internen Gegebenheiten und Vorhaben zustande.

Auf der anderen Seite steht die Abwägung der Chancen und Risken, die sich aus Ihrem Unternehmensumfeld ergeben. D.h. die Abschätzung aus der Marktanalyse und dem Wettbewerbumfeld.

Und, was kommt bei Ihnen heraus? Stärken und Chancen oder eher Schwächen und Risiken? Übrigens ist es sehr wohl möglich Schwächen zu korrigieren, indem das Angebot und das Geschäftsmodell angepaßt und umgebaut werden, aber das ist eine andere Geschichte …

Fazit

Viel zu tun nach dem Gesagten? Ja das stimmt, da gebe ich Ihnen recht! Aber vertrauen Sie mir bitte: wenn Sie zu Beginn eine Analyse machen, dann sparen Sie sich im Nachhinein einiges an Irrläufen und Fehlern. Eine Recherche und Analyse zu Beginn macht sich bezahlt.

Danach wissen Sie nämlich, welche Idee Sie weiterverfolgen können und sollen und welche Sie lieber fallen lassen. Es ist übrigens gar nicht schlimm, wenn Sie sich gegen eine Idee entscheiden!

Diese erste Analyse, bis auf die Zielgruppe (!), muss durchaus noch nicht ausführlich und detailliert sein. Aber Sie sollten einen klaren Blick erhalten, ob Ihre Geschäftsidee Chancen auf Erfolg hat oder nicht.

Herzlichst, Ihre

Karin Cvrtila

PS Wenn Sie Hilfe bei Ihrer Analyse und vor allem Interpretation der Daten benötigen, so fällt mir jemand ein, der Sie unterstützen kann 😉 Diese Person hat sogar 27 Jahre Erfahrung mit dem Umfang und der Recherche von Daten und der Interpretation solcher Zahlen. Ich freue mich, wenn ich Ihnen weiterhelfen kann – kontaktieren Sie mich einfach 🙂

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